Wie Albert schon angekündigt hat, gebe ich am 07. Oktober 2008 einen Vortrag zum Thema Domain Driven Design in der DNUG Köln.

Allgemein ist die Konstruktion von Modellen ein effektives Mittel, um die Komplexität eines Problems zu beherrschen. Domain Driven Design setzt als Basis unserer Entwicklungsprozesse die Fokussierung auf die Domäne und ihre Modelle, uneingeschränkt durch technische Komplexität, die heutige Projekte meist überlädt. Das wichtigste Werkzeug ist dabei die allgegenwärtige Sprache als Modell der Domäne und der Kontext, in dem sich das Modell einer Domäne befindet.

Der Vortrag gibt eine Einführung in das Thema und einen Überblick über fortgeschrittenere Techniken:

  • Voraussetzungen
  • Allgegenwärtige Sprache
  • Grundlegende Bausteine als Basis der Sprache und Orientierungshilfe
  • Modelle reichhaltiger gestalten
  • Modelle durch ihren Kontext trennen und integrieren
  • DDD in der Praxis: gängige Probleme und häufige Fragen

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Angefangen hat Aspektorientierug mit Gregor Kiczales und seinem damaligen Forschuntsteam bei Xerox PARC. Seine Arbeit an “Metaobject Protocols” führte zur Erkenntnis, dass vor allem die Modularisierung von sog. “cross-cutting concerns” die größte Verbesserung brachte. Bei Xerox entstand dann AspectJ (welches heute ein Projekt im Eclipse-Bereich ist). AspectJ ist derzeit wohl die am meisten verbreitete AO-Sprache und vielleicht die einzige die wirklich in Produktion eingesetzt wird. Daneben existieren eine vielzahl von AO-Ansätzen durch Container wie das Spring-Framework oder Enterprise Java Beans (EJB), die eine weite Verbreitung gefunden haben und einer großen Zahl von Entwicklern einen einfachen Zugang zu AO-Technologie bieten.  Um zu verstehen, warum der Schritt zu Aspektorientierung natürlich und logisch ist, müssen wir zunächst verstehen, was treibende Kraft in der Weiterentwicklung der verschiedenen Paradigmen ist.

1974 war es Edsger W. Dijkstra, der in seinem Artikel “On the role of scientific thought” den Begriff “separation of concerns” prägte:

Let me try to explain to you, what to my taste is characteristic for all intelligent thinking. It is, that one is willing to study in depth an aspect of one's subject matter in isolation for the sake of its own consistency, all the time knowing that one is occupying oneself only with one of the aspects.

[..] But nothing is gained --on the contrary!-- by tackling these various aspects simultaneously. It is what I sometimes have called "the separation of concerns", which, even if not perfectly possible, is yet the only available technique for effective ordering of one's thoughts, that I know of. This is what I mean by "focussing one's attention upon some aspect": it does not mean ignoring the other aspects, it is just doing justice to the fact that from this aspect's point of view, the other is irrelevant.

(30th August 1974, Prof. Edsger W. Dijkstra)

Dijkstra argumentierte, das wissenschaftliches Denken in der Entwicklung von Programmen fehlte, jedoch nötig sei um gute, fehlerfreie Programme zu konstruieren. Spätestens seit der erneuten Definition durch Chris Reade in seinem Buch “Elements of Functional Programming” gilt die Trennung der Anliegen als nötig, um die Komplexität eines Systems in den Griff zu bekommen. Die “Separation of concerns” kann als Geisteshaltung hinter dem Ziel der Modularisierung betrachtet werden. Damit ist aber noch nicht geklärt, was genau ein “concern” denn genau ist. Man könnte einen concern als jede Anforderung und jedes Anliegen an eine Software definieren, und dies scheint die anerkannte Definition zu sein. Dabei kann ein concern so generell wie “Interaktion mit einer Datenbank” sein, aber eben auch eine spezielle Berechnung detailliert vorgeben.

Vor dem Problemen der nötigen Modularisierung stehen wir aber nicht alleine. Andere Branchen haben es auf ihre eigene Art gelöst. Architekten scheinen separate Pläne für Wasserversorgung, Stromleitungen, Abflüsse, Lichtinstallationen und natürlich die Konstruktion an sich anzufertigen. Darüber hinaus ist die Innenarchitektur ein  ganz eigenständiger Beruf.

Modularisierung ist auf der einen Seite zwingend notwendig, um die Komplexität heutiger Anforderungen in Teile zu zerlegen und so zu reduzieren, damit ist jedoch unklar, wie weit wir die Modularisierung treiben müssen. Die Professorin Carliss Y. Baldwin von der Universität Harvard hat die Modularisierung von einem ökonomischen Blickpunkt aus untersucht und kam zu dem Schluss, dass Modularisierung eine treibende ökonomische Kraft ist, die ganze Märkte (zB den PC-Markt seit Einführung des modularisierten IBM-kompatiblen PCs) umkrempeln kann. Darüber hinaus hat sie auch die Modularisierung mittels Aspekten und den Optionswert von Aspekten untersucht und war Keynote-Speakerin bei der Konferenz AOSD 06. Interessant finde ich an dieser Stelle, dass auch Kent Beck bei seinem Plädoyer für möglichst späte Entscheidungen im eXtreme Programming mit Optionswerten argumentiert hat.

Alle Paradigmen, die bisher zu Felde geführt wurden, von der Strukturierten Programmierung über Prozedurale, Funktionale bis hin zur Objektorientierten Programmierung hatten ein Ziel: bessere Modularisierung. Dabei hat jedes Paradigma seine eigenen Konzepte, ein Modul abzubilden (…, Funktionen, Objekte) kreiert. Dabei wurde jedoch eine Gruppe von Anliegen stets ausgeschlossen, weil sie bei der Dekomposition in Module dieser Paradigmen über Module hinweg verstreut waren und und somit faktisch unsichtbar wurden.  Die genannten Paradigmen sind nicht im Stande, diese Gruppe von Anliegen selbst zu modularisieren. Der Grund dafür ist die einfache Tatsache, dass es immer zu einer Zahl von Anliegen einige Anliegen gibt, die andere kreuzen (darauf komme ich noch zurück).

Ich denke es ist klar, dass ich auf cross-cutting concerns hinaus will. Zu oft ist aber versucht worden AO zu verkaufen und dabei die “Neuen” mit einer Reihe von Fachbegriffen zu überladen. Da es sich bei der Aspektorientierung um einen völligen Paradigma-Wechsel handelt (der dennoch rückwärts kompatibel ist), halte ich es für eine gute Idee, vorerst auf genau diese Fachwörter ("buzzwords” ?) zu verzichten. Ich denke dieser Ansatz wird auch durch die Aussage von Gregor Kiczales gestützt, dass die Geisteshaltung von Aspektorientierung weitaus wichtiger ist, als die derzeitigen technischen Umsetzungen und ihre spezielle Ausprägung der Fachbegriffe. Würde man diese nutzen wollen, so müsste zunächst ihre allgemeine Semantik erklärt werden. Dies wird fast nie getan und erscheint für eine Einführung auch zu fortgeschritten.

Im Jahre 2004 stellte Ted Neward, bei einer Podiumsdiskussion zum Thema AOP auf der Konferenz “The Server Side Symposium”, eine Aufgabe: Aspektorientierung zu erklären, ohne die gängigen “buzzwords” zu verwenden. Der Projektleiter des AspectJ-Projektes, Adrian Colyer (heute auch für SpringSource tätig) antwortete mit seinem Artikel “The Ted Neward Challenge (AOP without the buzzwords)”. Seine Argumentation basiert auf der Annahme, dass eine echte Trennung der Anliegen nur erreicht werden kann, wenn das Verhältnis von Konzepten zu Implementierungen genau 1:1 ist, also ein Konzept an genau einer Stelle in der Software Implementiert ist.

Nehmen wir uns ein einfaches Problem (welches auch von Gregor Kiczales untersucht wurde): Eine Zeichentafel (Canvas) und eine Vielzahl verschiedener geometrischer Objekte (Shapes). Die verschiedenen Shapes (Dreieck, Viereck, Kreis, Oktaeder, …) verwalten ihre Eigenschaften und ihr Zeichenverhalten selbst. Wir modellieren sie als Objekte. Ebenso den Canvas. Ein weiteres Anliegen ist auch die Benachrichtigung des Canvas, wenn ein Shape sich verändert. Im Allgemeinen würde man dieses Anliegen durch eine Subject-Observer Beziehung zwischen Canvas und den verschiedenen Shape-Objekten implementieren. Bei allen Änderungen benachrichtigen die verschiedenen Shape-Objekte den Canvas. Das Anliegen der Benachrichtigung ist damit aber nicht mehr eigenständig modularisiert, denn alle verschiedenen Objekte (oder Klassen von Objekten) implementieren die Benachrichtigung auf ihre eigene Art. Wir haben also ein Verhältnis Konzept : Implementierung von 1 : n. Umgekehrt haben wir in einem Objekt nun mehr als ein Konzept implementiert und haben hier ein Verhältnis Konzept : Implementierung von n : 1. Die Krux liegt darin, dass wir schon bei einem sehr einfachen Beispiel ein Anliegen nicht mehr richtig Modularisieren konnten, weil es ein übergreifendes Anliegen ist. Skaliert man das Beispiel auf ein durchschnittlich großes System, ist die ganze Problematik daran vorstellbar.

Nun ließe sich erwidern, dass vielleicht eine andere Art der Dekomposition das Problem gelöst hätte. Dies ist in der Forschung untersucht worden und derzeitiger Stand ist anscheinend, dass es nicht möglich ist. Das Problem wird “Tyranny of the dominant decomposition” genannt. Dies möchte ich anhand eines Beispieles illustrieren: Es soll eine Zeit gegeben haben, in der wir statt MP3s jede Menge CDs im Regal stehen hatten. Wir wollen aus den CDs schnell einige zu einem speziellen Genre suchen. Dazu könnten wir sie nach Genre sortieren. Allerdings würden wir auch gerne schnell CDs nach einem Namen suchen. Vielleicht wäre es also besser, die CDs nach Namen zu sortieren. Dann könnten wir aber nicht mehr schnell nach Genre ähnliche CDs suchen. Die Lösung scheint greifbar: wir sortieren nach Genre und jedes Genre wiederum nach Namen. Damit gehen wir den Kompromiss ein, dass wir nicht sehr schnell nach Namen suchen können, aber wir können sehr gut nach Genre suchen, selbst wenn wir zunächst eine spezielle CD gesucht haben. Das Anliegen “Genre” ist also hier die dominante Dekomposition über dem Anliegen “Namen” (verkürzt gesagt). Kommt nun aber noch das Anliegen hinzu, CDs zu einem Jahr zu finden, haben wir ein Problem, egal welche Dekomposition wir als dominant wählen. Es gibt also nur einen Ausweg: wir müssten sowohl die Suche nach Genre, als auch die Suche nach Namen und auch die Suche nach Jahren eigenständig Modularisieren. Dies scheint mit den Mitteln Plazierung der CDs im Regal nicht möglich, wir brauchen also einen Paradigma-Wechsel.

Das Beispiel der CD-Sortierung zeigt nicht nur die Existenz von übergreifenden Anliegen aus der Problemdomäne heraus. Das Beispiel zeigt vor allem im Gegensatz zum Zeichenbrett, dass übergreifende Anliegen “mehrdimensional” sind und die Zahl der Dimensionen “unbegrenzt” sein kann. Diesem Umstand hat auch IBM mit der Forschung im HyperJ-Projekt Rechnung getragen.

Für Viele ist dennoch Aspektorientierung derzeit vor allem eines: Aspektorientierte Programmierung (AOP), mit einem starken Hang eine Sache Namens “Logging” besonders schön zu lösen. Dabei ist der eigentliche Witz am “Hello world”-Beispiel der AOP die Tatsache, dass dort Tracing modularisiert wird. Innerhalb von Experimenten beobachtet wurde, das in vielen Fällen richtiges Logging – die Präsentation von Debug und Context-Informationen – eigentlich kein cross-cutting concern ist, weil für jeden Context die Anforderungen völlig unterschiedlich sind. Eine Ausnahme bildet vielleicht die einheitliche Protokollierung von Fehlern im System. Darüber hinaus scheint für Viele die Formel cross-cutting = nicht-funktional zu gelten. Das auch diese Reduktion der Aspektorientierung zu kurz greift, zeigt die Tatsache, dass erfahrene AO-Experten in der Regel den wahren Wert von AO bei funktionalen, zur Domäne gehörigen cross-cutting concerns sehen. Nicht zuletzt, weil nicht-funktionale, Infrastruktur-Anliegen heute von Containern (EJB, Spring, …) hinreichend gut modularisiert wurden. Gleichzeitig scheint mir hierher die Popularität der (falschen) Formel cross-cutting = nicht-funtional zu kommen. Eben weil die obigen Beispiele mit dem Zeichenbrett oder der CD-Sortierung keinerlei nicht-funktionale Anliegen enthält, mag ich diese besonders. Sie zeigen zum einen, dass bereits sehr simple Domänen cross-cutting concerns enthalten. Zum anderen ist aber auch sichtbar, dass diese meist aus der Problemdomäne entstammen und (gefühlt) die “kleine” Zahl der nicht-funktionalen Infrastruktur Anliegen übersteigt.

Heute, ca. 10 Jahre nach der “Erfindung” der AO ist die Aspektorientierte Programmierung weitgehend stabil und wird produktiv eingesetzt (zumindest im Falle von AspectJ). Forschung findet natürlich auch noch hier statt, scheint sich aber derzeit vor allem auf die Auswirkungen von AO im Bereich des Software Engineerings zu konzentrieren: Requirements Engineering, Refactoring, Patterns, Productlines, Tooling und nicht zuletzt “Aspect Mining”. Diese Bereich bieten trotz akuter Forschung trotzdem bereits nutzbare Ergebnisse, die auch Anwendung zu scheinen finden. So gibt es einige nützliche Ergebnisse, bei der Anwendung von AspectJ zur Implementierung von Objektorientierten Patterns in einer Pattern-Library. Die Erweiterung von Use-Cases hin zu sog. “Use-Case slices” und die damit einhergehende 1:1 Implementierung der Kern-Usecases durch Objekte und der Varianten/Extension Points und anderen Usecases durch Aspekte ist sogar als Buch verfügbar. Hier können auch einfache Angriffspunkte zur Feature-Konfiguration im Sinne von Productlines gesetzt werden.

Für “Joe Developer” (Zitat aus dem se-radio.net) scheinen aber viele dieser Techniken/Prozesse/Tools und Ergebnisse im Zusammenhang mit AO bisher unsichtbar gewesen zu sein. Um so mehr ist es an der Zeit, diese Dinge genau zu Beleuchten und statt AspectJ-Tracing-Tutorials lieber “Best practices” und mögliche Einsatzgebiete zu benennen. Den Syntax einer Sprache oder die Details einer Technologie lassen sich schließlich gut aus Büchern und Dokumentation entnehmen. Die Einsatzmöglichkeiten und gute Vorgehensweisen einer Technologie entstammen aber der Erfahrung und dem Umgang damit. Sie können eigentlich nur von den bereits Erfahrenen vermittelt werden, oder aber durch viele Experimente (und Fehlschläge) selbst erlernt werden. Dabei bevorzuge ich eindeutig den ersten Weg und versuche von den Experten zu lernen.

Im Interview von Gregor Kiczales durch Markus Völter (auf se-radio.net) spekulierten schließlich beide darüber, dass zur Annahme des OO-Paradigmas 20 Jahre nötig waren, die Annahme von AO aber bereits nach 10 Jahren sehr weit fortgeschritten ist und die Zukunft positiv aussieht. Nicht zuletzt kommen wohl die meisten heute schon damit in Kontakt, wenn sie Middleware-Plattformen wie EJB-Container oder das Spring-Framework einsetzten.

Zum Schluss möchte ich noch darauf zu sprechen kommen, dass ich bisher nur für Aspektorientierung plädiert habe, nicht aber für den Einsatz einer speziellen AOP-Technologie. Auch habe ich weder nur für AO-Sprachen noch gegen Container-AOP (Spring.AOP, Method interception, …) plädiert. Solche Entscheidungen sind schließlich nicht allgemein entscheidbar, da sie immer von den speziellen Anforderungen, Budgets, etc.. abhängen. Auch die Frage, wie fein Aspekte granuliert werden sollen steht im Raum und beeinflusst insbesondere den Einsatz von “Method interception”, Spring.AOP, AspectJ oder auch eine Kombination dieser. Der Grad der technischen Umsetzung und Einsatz von AO-Technologie ist nicht zuletzt auch durch die “Adoption strategy” gesteuert. Hierzu gibt es wiederum allgemeine Empfehlungen, auf die ich aber ein anderes Mal eingehen möchte und werde.

Nachtrag: Ich habe gestern gesehen, dass Stefan Lieser die Thematik “Tyranny of the dominant decomposition” an einem anderen, aber ebenso schönen Beispiel erläutert hat: Ein Dokument mit Elementen (Text, Absätze, …) und dazu orthogonal die Frage der Formatierung.

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Was ist Domain Driven Design?

In meinem Artikel “DDD – Eine Einführung” hatte ich versucht einen Überblick über Domain Driven Design und seine Auswirkungen zu geben. Leider fehlte dabei eine genaue Definition. Dies ist allerdings nicht einfach und ich bezweifle, ob es derzeit eine komplette und exakte Definition von DDD gibt. Die Beschreibungen auf Wikipedia scheinen mir unvollständig, da sie zu sehr auf den Aspekt des Objekt-Design abzielen. Auch im Buch selbst wird eher schwammig in das Thema eingeführt: Man bekommt schnell ein Gefühl für DDD und, mit Blick auf das Inhaltsverzeichnis, auch für den Umfang. Trotzdem fehlt eine präzise, umfassende Definition. Daher ist dieser Artikel sicherlich zunächst nur ein Versuch – ich maße mir keine Vollständigkeit an.

Der Grund dafür liegt, meiner Meinung nach, in der Tatsache begründet, dass DDD eigentlich vor allem eines ist: ein philosophischer Ansatz, wie Problemdomänen in Software implementiert werden sollten:

  • Das Modell, und damit die Domäne, sind im Herzen unserer Software

Und "drumherum" bildet DDD damit eine Entwurfsmuster-Sprache, die uns ermöglicht darüber zu kommunizieren. Dies würde ich als eine Definition von Domain Driven Design und dessen Kern bezeichnen wollen (siehe auch David Laribee's Artikel dazu).

Worin liegt dies begründet und welche Auswirkungen hat dieser Ansatz für uns? Gehen wir also zurück zum Anfang. Zunächst dreht sich bei der Erstellung von Software alles um Modelle und Abstraktionen. Haben wir eine gegebene Domäne, so bauen wir zu einer Teilmenge daraus ein Modell, eine Abstraktion der Domäne. Die gesamte Domäne (wie eigentlich alles auf der Welt) ist natürlich zu groß, um sie vollständig zu modellieren. Wenn wir Software entwickeln, bauen wir also primär ein Modell einer Domäne.

Derzeit besteht unsere bester Weg zu Modularisierung und Abstraktion in der Nutzung von Objekt Orientierung. Damit liegt die Idee nahe, unser Modelle durch “nakte” Objekte zu implementieren - wie wir es in der Uni gelernt haben bevor wir über Datenbanken, Transaktionen und Infrastruktur nachdachten. Idealer weise gibt es zwischen Quelltext und Modell keine Unterschiede, also keine Übersetzungen. Im Artikel “DDD – Allgegenwärtige / Universelle Sprache” bin ich bereits darauf eingegangen, warum Eric Evans Übersetzungen als kritisch ansieht. Unser Modell ist also von der Domäne gesteuert.

Wenn wir nun ein Modell der Domäne erstellen, ergibt sich direkt die Frage: Wer kennt die Domäne? Die Architekten? Oder Software Analysten? Oder Entwickler? Wohl kaum. Erstere denken wohl eher an Entwicklung im großen Rahmen, letztere im sehr kleinen und Software-Analysten können wohl analysieren, aber kennen wohl nicht jede Problem-Domäne. Diejenigen, die eine Domäne am besten kennen sind aber direkt vor unseren Nasen: Der Kunde und seine Experten. Diese Idee sehen wir auch in anderen Bereichen, zB in den Agilen Prozessen. Im eXtreme Programming heißt das ganze “Customer On Site”. Da das Modell also keine verborgene Magie innerhalb der Software ist, sondern eine – für alle sichtbare – Abstraktion, ergibt sich die Grundlage des Domain Driven Design:

  • Das Modell, und damit die Domäne, sind im Herzen unserer Software

Dies hat weitreichende Konsequenzen auf alle Bereiche, wie Anforderungen an die Architektur, Auswirkungen auf Objekt-Design, das Team, seine Prozesse, etc. Weil wir zum Beispiel dieses Modell kommunizieren müssen, sowohl intern als auch extern, liegt die Idee nahe, eine gemeinsame Sprache in allen Beriechen zu nutzen: angefangen bei der Kommunikation, über Dokumentation, Diagrammen bis hin zum Quelltext. Ideal ist es also, wenn sich die Sprache und damit das Modell im Quelltext manifestiert. Dann könnte man nur durch das Lesen des Quelltextes im Domänen-Modul eine Menge über die Domäne selbst lernen.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass Domain Driven Design ein Ansatz zur Software-Entwicklung ist, der das Modell einer Problemdomäne ins Zentrum stellt. Kritik und Erweiterungen sind willkommen!


Nachtrag: Definitions-Absatz erweitert um die Idee der Pattern-Language.


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Komplexität in Geschäftslogik

Ein Vergleich der Patterns Table Module (DataSets,..), Transaction Scripts und Domain Model

Abseits meiner Beiträge zum Thema Domain Driven Design möchte ich hier die drei Ansätze zur Handhabung von Komplexität in Geschäftslogik aus Martin Fowler’s Buch “Patterns of Enterprise Application Architecture” vergleichen. Alle drei stellen Wege dar, eine Domäne zu modellieren, wenn auch die beiden ersten Ansätze stark zu prozeduraler Programmierung tendieren:

Fowler hat zum Vergleich eine ähnliche Grafik wie die folgende verwendet.

Complexity-Comparison In der Grafik ist Komplexität gegenüber Aufwand gestellt. Die rote Linie steht für das Table Module Pattern, die blaue Linie steht für Transaction Scripts und die grüne Linie steht für das Domain Model Pattern. Die Idee der Grafik ist es zu zeigen, wie die drei Ansätze mit erhöhter Komplexität skalieren. Dabei kommt es nicht so sehr auf den exakten Verlauf an. Wichtiger ist es zu sehen, dass die Grafik recht gut dem gefühlten “Aufwand” entspricht, bei der Arbeit mit den Ansätzen: der Aufwand bei Transactions Scripts und Table Module (in .NET also DataSets) steigt rasant und macht zunehmende Komplexität kaum noch handhabbar. Aber auch das Domain Model Pattern lässt sich nicht unendlich lange nutzen, ohne ans eine Grenzen zu stoßen. Trotzdem liegt diese Grenze bedeutend höher, was das Pattern so attraktiv für komplexe Domänen macht. Zu große Komplexität kann durch Zerteilen der Domäne in verschiedene Modelle begegnet werden. Diese müssen dann aber genau abgegrenzt und integriert werden müssen – andernfalls wird man weniger Nutzen davon haben. Die passenden Stichwörter wären hier Bounded Context, Context Map und Core Domain [/End buzzword dropping].

Image is subject to create commons license. Created By: http://www.flickr.com/photos/esfema/ Die Große Frage am Vergleich der 3 Ansätze ist natürlich: Wo liegen die Grenzen auf der Achse der Komplexität? Dazu müssten wir aber zunächst einmal Komplexität messen – dies können wir aber kaum. Pragmatisch gesehen muss hier die Erfahrung des Teams herhalten. Praktisch gesehen lohnt sich ein Domain Model sicherlich nicht für eine reine CRUD-Anwendung mit nur sehr simpler Validierung. Trotzdem greift wohl auch diese Einordnung zu kurz. Niemand kann schließlich genau vorhersagen, wie sich das Geschäft des Kunden weiterentwickelt oder ob aus einer kleinen Anwendung nicht plötzlich eine große wird – dafür scheinen zu viele “Prototypen” bisher immer noch am Leben. Es besteht somit die Gefahr eine Entscheidung zu früh zu treffen, obwohl man die Notwendigkeit für das Domain Model Pattern erst später begründen können wird. Es besteht aber auch die Gefahr, sich mit der Wahl von Transaction Scripts oder Table Modul die Möglichkeit zu verbauen, jemals zu einem reichhaltigen Domänenmodell zu gelangen. Denn laut Fowler ist genau dieser Übergang extrem aufwending und teuer – obwohl die Alternative (kein Redesign) keine wirkliche Alternative ist. Interessant wäre wohl zu experimentieren, ob ein Redesign vom Domain Model Pattern hin zu Transaction Scripts gut funktioniert. Mein Tipp wäre, dass sich dies wohl leichter realisieren lässt, als der Weg anders herum; schließlich sehen wir heute viele Prozedurale Implementierungen mit einem anemischen Domänenmodell.

Klar ist, dass das Table Module Pattern gerade wegen seiner breiten Werkzeug-Unterstützung im .NET Bereich eine sehr geringe Hürde für den Einstieg hat. Table Module und Transactions Scripts zerlegen die Domäne in ein prozedurales Modell und bestechen durch ihre Einfachheit - für einfache Kontexte! Leider ist dieser Umstand bisher wenig bis gar nicht kommuniziert worden. Offensichtlich ist aber die Idee des simplen Drag&Drop / RAD / … für die meisten gescheitert. Beim Table Module Pattern gibt es in der Regel ein Objekt, dass die Logik und Kommunikation für eine Datenbank-Tabelle übernimmt. Transaction Scripts manifestieren sich in der Regel in einem “dicken” Application / Service Layer (Fowler). Für jede Transaktion haben wir dann eine Service-Operation. Hiermit sollte dann auch klar sein, warum beide Ansätze Probleme mit duplizierter Logik, Copy&Paste-Smells und vor allem Seperation of Concerns haben. Beim Einsatz eines Domain Models ist die Service Schicht hingegen sehr dünn. Sie koordiniert nur verschiedene Aktionen auf dem Domänenmodell. Vor allem aber eignet sich die Service Schicht zur Beschreibung der Session- und Transaction-Scopes zur Datenbank-Verbindung (mehr dazu später in der DDD Serie).

Image is subject to create commons license. Created By: http://www.flickr.com/photos/ppdigital/Transaction Scripts und Table Module haben sicherlich geringere Anforderungen an die Erfahrung und das Abstraktionsvermögen eines Entwicklers. Domänenmodelle bieten dafür weitaus mehr Modularisierung und können so auch zu mehr Wiederverwendung führen. Je komplexer ein Modell wird, umso mehr scheint der Vorteil gegeben über Transaction Scripts und Table Module zu wiegen. Sicheres Einsatzgebiet sind somit auf jeden Fall jene Domänen, bei denen von Anfang an klar ist, dass die Komplexität jenseits von einfacherer Validierung (zB isolierte Validierung pro Feld) und CRUD liegt.

Am Schluss möchte ich noch zu Bedenken geben, dass vollständige Modularisierung mit OOP nicht möglich ist (siehe “Tyranny of the dominant decomposition”). Egal nach welchen Kriterien die Dekomposition der Anwendung von statten geht – es wird immer orthogonale, übergreifende Belange geben. Nach derzeitigem Stand der Forschung erreichen wir damit noch bessere Modularisierung nur durch den Einsatz von Aspekt-Orientierung. Meines Wissens ist aber weiterhin unklar, ob wir damit den “heiligen Gral” der Modularisierung erreichen. Vielleicht ist es am Ende auch egal und nur eine Frage des nötigen Pragmatismus.

ALT.NET Bier Köln #1

 

Nachdem Stefan Lieser in Blog und Maillingliste bereits grob berichtet hat, folgen hier nun noch die visuelle “Nachverfolgung” des ersten ALT.NET Treffens in Deutschland überhaupt.

Stefan, SergeySebastian, Björn, Stefan

Stattgefunden hat das ganze in der Teba in Köln, wo auch die Treffen der DNUG Köln ihre Heimat haben. Themen waren unter anderem:

  • Mitarbeiter Motivation / Coaching in ALT.Net
  • Messaging statt RPC, Publish Subscriber
  • PostSharp erfüllt Obliviousness nicht
  • Parallelität

Speziell zum Thema PostSharp und AOP-Obliviousness möchte ich noch den folgenden Link zum entsprechenden Paper nachreichen: Robert Filman, Daniel Friedman: “AOP is Quantification & Obliviousness”.

 

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.NET Open Space 2008

.NET Open Space vom 18.10. bis 19.10.2008 in Leipzig

Nun ist es also raus: am 18. und 19. Oktober 2008 findet die .NET Open Space in Leipzig statt. Dabei bildet ALT.NET eines der drei Themenfelder und verspricht spannende Sessions. Ort der Veransaltung ist der Mediencampus Villa Ida. Ich werde auf jeden Fall teilnehmen und habe mich bereits registiert. Vielleicht kommt ja auch eine Session zu DDD oder AOSD zustande – ich würde mich drauf freuen ;-)

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